Die Frage nach den Alternativen zum Amalgam ist schwierig zu beantworten. Es wird in der Praxis häufig Kunststoff verwendet. Doch der Kunststoff ist, was große Füllungen angeht, eigentlich bis heute im Seitenzahngebiet nicht als Füllungstherapie freigegeben.
Kunststoffe haben viele Nachteile. Diese sind:
Der Kunststoff hat einen unedlen Ausdehnungskoeffizient. Im Kalt-Heiß-Gefälle von Essen und Trinken dehnt er sich aus und zieht sich zusammen, sodass Abrisse vom Zahn oder auch Risse im Kunststoff selbst entstehen, die als Undichtigkeit wirken können, so dass Bakterien eindringen können und den Zahn unter der Füllung erreichen. Eine Sekundärkaries entsteht.
In der Praxis stelle ich als Zahnarzt immer wieder fest, dass sich unter Füllungen, die älter als 2 Jahre sind, überdurchschnittlich häufig Sekundärkaries befindet.
Ein weiterer Nachteil ist die hohe Abrasionsfähigkeit, das heißt, Kunststoffe halten dem Kaudruck nicht wirklich stand. Sind die Füllungen im Seitenzahngebiet kaudrucktragend, kann sich der Biss absenken – mit verheerenden Folgen für die Frontzähne, die dadurch unter zu hohen Druck geraten. Frontzähne sind einwurzelig und nicht dafür gebaut, solche hohen Kaudrucke aufzunehmen. Dadurch können sie gelockert oder abgekaut werden. Ein Absenken des Bisses kann außerdem zur Folge haben, dass Kiefergelenksprobleme entstehen.
Weiterhin hat Kunststoff den Nachteil, dass er kanzerogene (krebserregende) und mutagene (erbschädigende) Stoffe enthalten kann, wie z. B. die Acrylate Tegdma und Hema. Mir sind nur ganz wenige Kunststoffe bekannt, die diese nicht enthalten.
Da dentale Werkstoffe nicht als Medikamente und nur als Werkstoffe zählen, ist nach geltendem EU-Recht der Hersteller nicht verpflichtet, die Inhaltsstoffe anzugeben.
Kurzum: Kunststoff ist eine billige Alternative zum Amalgam und es ist noch lange nicht sicher, ob er weniger giftig ist.
Die echte Alternative zum Amalgam kann nur Keramik heißen. Hier die Dentalkeramik und das Zirkonoxyd als Gerüstträger, Verblendkeramik für Kronen und Brücken oder auch als Zirkonoxyd-Implantat.
Sie schreiben dass bei Kunststoff im Seitenzahnbereich die Gefahr besteht, dass sich der Biss absenken kann und empfehlen Keramik. Aber nach meiner Information ist Keramik härter als Zahnschmelz. Besteht bei Parodontose in diesem Fall nicht die Gefahr, dass man das härtere Material versucht ” abzukauen” und dadurch Knirschen und Parodontose beim Gegenzahn entstehen kann?
Nein, die Gefahr besteht nicht, weil moderne Keramiken ein dem Zahn ähnliches Abriebverhältnis haben. Freundliche Grüße Dr. Edelmann